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München für Deutschland und Europa darstellt, das wollen wir für
Thüringen abbilden.“
Rechtfertigt der Thüringer Markt eine eigene Großveranstaltung
dieser Art?
„Wir reden hier nicht über tausende Teilnehmer als Investoren wie
auf der EXPO REAL. Bei unseren Immobiliengesprächen haben jeweils
etwa 120 Teilnehmer. Wenn man sich einen Investorentag für Thü-
ringen vornimmt, und das Potenzial betrachtet, gehe ich davon aus,
dass wir zwischen 800 und 1.000 Investoren aus Deutschland herbe-
kommen. Ausgangs- und Anziehungspunkt ist hier ganz klar Erfurt als
künftige ICE-Drehscheibe mit allen damit verbunden Möglichkeiten.
Wir als Messe sehen dieser Zeit sehr gespannt entgegen, weil es un-
sere Situation als Messestandort komplett verändert. Wir stecken jetzt
in der Situation, dass wir zwar die Mitte Deutschlands sind, aber die
potenziellen Besucher und Aussteller unserer Messen teilweise einen
großen Bogen um uns gemacht haben, weil sie einfach nicht hierher
kamen. Bei einer mehrstündigen Anreise bleibt den Fachbesuchern
nicht mehr viel Zeit für den eigentlichen Messebesuch. Diese
Situation wird sich für uns ändern und das bringt uns hinsichtlich der
Veranstaltungen in eine ganz andere Reichweite.“
Sind denn Stadt und Land darauf vorbereitet, wenn dann sehr
viel mehr Menschen nach Erfurt kommen?
„Aus unserer Sicht gibt es ein zentrales Problem. Wir verlieren
Veranstaltungen, weil die Hotelkapazitäten nicht ausreichen. Zur IKA
Olympiade der Köche im vergangenen Herbst etwa haben wir alle
Hotels im Umkreis von einhundert Kilometern ausgebucht. Wir hat-
ten aber auch Aussteller unter Vertrag, die wir aus diesem Vertrag
entlassen haben, weil sie ihr Personal nicht unterbringen konnten.
Die Hotelsituation wirkt sich negativ auf unsere Umsätze aus. Für
die Jahre 2013 und 2014 haben wir acht Großkongresse nicht be-
kommen, weil es nicht genügend Hotelkapazitäten gibt. Die Aus-
richter dieser Veranstaltungen sehen unsere Preise, unseren Service
und unser Gelände, und alles passt. Aber dennoch bekommen wir
Absagen, weil es nicht möglich ist, 300 oder 400 Hotelzimmer en
Block in Erfurt zu reservieren. Also, letztlich können wir unsere Um-
sätze nur steigern, wenn es uns gelingt, hochwertigere und längere
Veranstaltungen zu holen. Das verlangt aber eine Lösung des Hotel-
Problems.“
Sie können aber keine Hotelkette zwingen, nach Erfurt zu
kommen und sicher auch nicht auf Fördermittel für einen
Hotelneubau aus dem Wirtschaftsministerium bauen?
„Es ist nicht die Aufgabe der Landesregierung Hotelbauten zu för-
dern. Wir als Messe werden deshalb mit der Landesentwicklungs-
gesellschaft und der Stadt nach Lösungen suchen, unsere Kontakte
einbringen und aktiv auf potenzielle Investoren zugehen.“
Welche Anreize können Sie Investoren für ein Hotel bieten?
„Derzeit generieren wir als Messe 40.000 Übernachtungen pro Jahr.
Weiteres Wachstum bei uns vorausgesetzt und den ICE-Knoten im
Blick, kann man leicht hochrechnen, welche Potenziale hier liegen.
Wenn man sich die ersten Ideen für die ICE-City ansieht, dann ist im-
mer von einem Tagungszentrum und einem Hotel die Rede. Das be-
grüßen wir. Es wird allerdings nicht reichen. Die Realität sieht lei-
der so aus, hier ein Beispiel: Ich habe im August vergangenen Jahres
55 Zimmer für Mai 2013 buchen wollen. Es war nicht möglich. Es ist
mehr als ärgerlich, wenn man von Kongressveranstaltern, die mit
uns eigentlich hochzufrieden sind, Absagen erhält, weil sie keine
adäquaten Übernachtungsmöglichkeiten finden.“
Stoßen Sie bei den Beteiligten auf offene Ohren?
„Natürlich! Die Stadt sieht das selbst auch so. Es ist bekannt, dass
die Hotels nicht nur in den Spitzenzeiten mehr als gut gebucht sind.
Wir haben das Glück, dass uns dieser ICE-Knoten in den Schoß ge-
legt wurde. Wir wissen, dass ab 2017 täglich 42.000 Menschen den
Bahnhof benutzen. Und von denen gilt es, so viele wie möglich hier
zu halten. Für mehr Touristen und Geschäftsleute braucht man aber
auch mehr Unterkünfte.“ (su)
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Das Gespräch führte Sascha Uthe
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